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31.03.2021

Geistliches Wort zum Karfreitag: Alles nur "Fliegenfängerei"?

Foto: pixabay

neumarkt/Postbauer-Heng (dbnm) - Ist die Botschaft vom Kreuz, die die Kirche am Karfreitag verkündet, nur ein Betrug, auf den die "Dummen" hereinfallen? das fragt Markus Fiedler, Pfarrer von Postbauer-Heng, in seinem geistlichen Beitrag zum Feiertag.

Man nehme zwei Streifen Fliegenfänger, lege sie dann in Kreuzform übereinander auf eine feste Unterlage und befestige dann jede Menge tote Eintagsfliegen auf den klebrigen Streifen. Dann noch ein Rahmen drum herum. Und fertig ist das Kunstwerk. „Fliegenfänger“ heißt es, stammt von Lois Weinberger und hängt im Frankfurter Städel Museum. Beißende Religionskritik spricht aus diesem Bild. Diejenigen, die dem Gekreuzigten glauben, sind ihm im wahrsten Sinn des Wortes „auf den Leim gegangen“ und haben nicht Leben sondern Tod gefunden.

Als ich das erste Mal vor diesem Kunstwerk stand, hat es mich tief getroffen. Ich war empört: Ist das, was wir als Kirche tun, „Fliegenfängerei“? Ist die Botschaft vom Kreuz, die wir verkünden, Betrug, der die „Dummen“ auf den Leim gehen wie einem Trickbetrüger? Hat vielleicht Bert Brecht mit seiner Sentenz recht, in der er gläubigen Menschen zuruft: „Lasst euch nicht vertrösten! Lasst Moder den Erlösten! Lasst euch nicht verführen, ihr sterbt mit allen Tieren.“? – Und dann fallen mir als Seelsorger Situationen ein, in denen das Kreuz für Menschen, in denen ihnen der Boden unter den Füßen weggezogen wurde, zu einem Anker geworden ist, an dem sie sich festhalten können. Ich denke an einen Mann, der dankbar dafür ist, dass seine Kinder einen starken Glauben haben angesichts des Todes ihrer Mutter. Ich denke an Seniorinnen, denen der Blick auf das Kreuz Kraft gibt in aller Einsamkeit und den Beschwerden des Alters. Das ist doch keine „Fliegenfängerei“.

Der Tod Jesu am Kreuz ist uns historisch verbürgt. Dass der Prozess gegen ihn wohl ein Schauprozess war, können wir aus den Quellen erschließen. Der heutige Karfreitag lenkt unseren Blick auf die Schattenseiten des Lebens. In den leidenden Christus zu sehen war der große Anspruch, den Mutter Theresa auf den Straßen Kalkuttas lebte. Und der Dichter Heinrich Böll sagte einmal: „Selbst die allerschlechteste christliche Welt würde ich der besten heidnischen vorziehen, weil es in einer christlichen Welt Raum gibt für die, denen keine heidnische Welt je Raum gab: für Krüppel und Kranke, Alte und Schwache, und mehr noch als Raum gab es für sie: Liebe für die, die der heidnischen wie der gottlosen Welt nutzlos erschienen und erscheinen.“

Wenn wir das Kreuz hochhalten, ist das ein Plädoyer für die Würde der sogenannten „Schwachen“ und den Respekt vor ihnen. Karfreitag 2021 zeigt uns im verletzten und verwundeten Menschen den mitleidenden Christus, zeigt uns einen, der am Kreuz das größte Projekt der Menschheitsgeschichte begonnen hat: Den Anfang einer neuen Welt voller Frieden. Eine Utopie – ja. Aber die Hoffnung auf sie habe ich noch nicht aufgegeben.

Pfarrer Markus Fiedler, Postbauer-Heng

Die nächsten Termine

Samstag, 26. Juni
09.30 Uhr
WERKSTATT SENIORENARBEIT: Wie wir wurden, was wir sind!
Ort: Pfarrkirche Heilig Kreuz Neumarkt-Wolfstein
Veranstalter: Bereich Altenbildung der Kath. Erwachsenenbildung im Bistum Eichstätt
Samstag, 03. Juli
09.00 Uhr
Ehevorbereitung 2021
Ort: Jugendhaus Habsberg
Veranstalter: Katholische Erwachsenenbildung (KEB) im Landkreis Neumarkt
Samstag, 24. Juli
10.30 Uhr
Samstag, 16. Oktober
09.00 Uhr
Ehevorbereitung 2021
Ort: Kloster St. Josef - Exerzitien-, Tagungs- und Gästehaus
Veranstalter: Katholische Erwachsenenbildung (KEB) im Landkreis Neumarkt