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16.10.2020

Überschuldung durch Pandemie verhindern: Armutswochen der Caritas ab 17. Oktober

Eichstätt (pde) – „Damit die Pandemie nicht in die Schuldenfalle führt!“ Unter diesem Motto führt die Caritas in ganz Deutschland zwischen dem UN-Tag zur Beseitigung der Armut am 17. Oktober und dem päpstlichen Welttag der Armen am 15. November „Armutswochen 2020“ durch.

Foto: pixabay

Der Caritasverband für die Diözese Eichstätt unterstützt dieses Anliegen. Nach Erfahrungen in dessen Stellen für Allgemeine Sozialberatung und Schuldnerberatung gibt es bereits Armut, die mit Corona zu tun hat. Verstärkt wird damit ab Anfang nächsten Jahres gerechnet.

In der Allgemeinen Sozialberatung haben die Caritas-Mitarbeitenden festgestellt, „dass durch Kurzarbeit oder Kündigungen wegen Corona sehr schnell der Lebensunterhalt nicht mehr sichergestellt ist. Unsere Klienten sind oft Zeitarbeiter und Geringverdiener, die mit jedem Euro rechnen müssen“, berichtet Bernhard Gruber, Sozialberater bei der Caritas-Kreisstelle Ingolstadt und Sprecher für diesen Dienst beim Caritasverband für die Diözese Eichstätt. Oft komme es schon zu finanziellen Problemen, wenn ein 450-Eurojob verloren geht, zum Beispiel bei Alleinerziehenden. Für Geringverdiener gebe es zwar Erleichterungen durch ergänzende Leistungen des Arbeitslosengeldes II, doch dauere es zum Teil lange bis Klienten diese erhalten. „Dann kann es sehr schnell zu Miet- oder Energieschulden kommen.“ Kurzarbeiter könnten oft einen Einkommensverlust von rund 40 Prozent nicht verkraften, gerade im Raum Ingolstadt wegen dortiger hoher Mieten. Leidtragende seien dann oft die Kinder einkommensschwacher Familien. Diese seien zudem vor allem in der Zeit des Lockdowns ohne Schule dadurch benachteiligt gewesen, dass sie häufig nicht über Computer, Laptops oder andere technischen Hilfsmittel verfügen.

„Einige Klein- und Solo-Selbständige, die aufgrund der Pandemie Einbußen verzeichnen, haben sich bei uns schon erkundigt, wie sie aufstockende Sozialleistungen beantragen – und einen Haushaltscheck ihrer Einnahmen und Ausgaben machen können“, berichtet Hans Wiesner. Er ist Schuldnerberater bei der Caritas-Kreisstelle Eichstätt und Sprecher für diese Beratung beim Diözesan-Caritasverband. Wiesner geht davon aus, dass mehr Menschen in Bedrängnis kommen, wenn sie in einigen Monaten Energie- und Nebenkostenabrechnungen erhalten. „Gerade die Energiekosten dürften bei vielen steigen, weil sie schließlich dieses Jahr vermehrt zu Hause verbracht haben“, befürchtet der Schuldnerberater. Zudem müssten Kurzarbeiter im kommenden Jahr mit Steuernachzahlungen rechnen. Denn das Kurzarbeitergeld selbst ist zwar steuerfrei, doch wird es auf den Steuersatz angerechnet, der dadurch steigt. „Und auch die ansteigende Arbeitslosigkeit ist natürlich ein Problem.“ All dies könne dazu führen, „dass Menschen, die bisher verschuldet waren, nun in eine Überschuldung abrutschen“, so Wiesner.

Mehrere Vorschläge gemacht

Die Caritas will daher bei ihren Armutswochen Verantwortliche in Politik und Wirtschaft zu vorbeugenden Maßnahmen auffordern und macht dazu mehrere Vorschläge. Ganz wichtig sei es, ein umfassendes Recht auf Schuldnerberatung zu gewähren. „Gerade die besonders betroffenen Klein- und Solo-Selbständigen haben vielerorts keinen Anspruch auf diese Beratung. Ebenso trifft dies auf Kurzarbeitende zu“, erklärt Hans Wiesner. Daher müsse ein niedrigschwelliger und flächendeckender Zugang zu den Beratungsangeboten für alle Ver- und Überschuldeten sichergestellt werden.

Darüber hinaus muss nach Meinung des Schuldnerberaters gerade in der jetzigen Situation der Pandemie mehr dafür getan werden, um Mietschulden abzuwenden sowie Wohnraum zu ermöglichen. „Denn wenn die Einkommen sinken, können hohe Wohnkosten nicht selten eine Verschuldungsspirale in Gang setzen.“ Problematisch sei vor allem auch, dass Betroffene mittlerweile regelmäßig eine Schufa-Auskunft vorlegen müssten, wenn sie eine Wohnung finden wollen. „Selbst wenn nur Schulden aufgrund von Telefonaten oder Warenbestellungen vermerkt sind, verweigern viele Vermieter den Abschluss eines Mietvertrages“, erfährt Wiesner. „Und diese Einträge bleiben in der Regel drei Jahre lang bestehen.“ Gemeinsam mit dem Deutschen Caritasverband fordert er daher, „die Speicherdauer von Zahlungsstörungen und insolvenzrechtlichen Maßnahmen auf ein Jahr zu begrenzen“. Ferner dürften gerade in der jetzigen schwierigen Situation Sozialleistungsempfänger nicht auf „Unangemessenheit“ der Mietkosten verwiesen werden, wenn faktisch kein Wohnungswechsel möglich ist. Um Menschen mit geringem Einkommen zu helfen, „muss grundsätzlich sozialer und gemeinwohlorientierter Wohnungsbau erheblich verstärkt werden“, fordert der Caritasberater.

Stromsperren erschweren

Er macht bei seiner Beratung auch immer wieder die Erfahrung, „dass Strom relativ einfach gesperrt werden kann“. Dies könne nun Familien, die einerseits durch die Pandemie finanzielle Einbußen gehabt haben und andererseits in der Krise mehr Haushaltsenergie verbraucht haben, hart treffen. Daher fordert die Caritas, dass die Hürden für Energiesperren deutlich erhöht werden.

Der Caritasverband für die Diözese Eichstätt bietet Schuldner- und Insolvenzberatung an seinen Kreisstellen in Eichstätt, Ingolstadt, Neumarkt, Roth und Weißenburg an. Die Allgemeine Sozialberatung gibt es auch in diesen Orten sowie zusätzlich in Herrieden und Nürnberg-Süd. Informationen finden sich unter www.caritas-kreisstellen.de

Die nächsten Termine

Dienstag, 01. Dezember
06.00 Uhr
Roratemesse
Ort: Pfarrkirche St. Willibald Möning
Veranstalter: Pfarrei Möning
17.05 Uhr
5 nach 5-Besinnung: "24 Türchen zum Licht"
Ort: Münster St. Johannes
Veranstalter: Stadtkirche Neumarkt
18.00 Uhr
Schülerwortgottesdienst
Ort: Pfarrkirche St. Vitus Berg
Veranstalter: Pfarrverband Berg
Mittwoch, 02. Dezember
17.05 Uhr
5 nach 5- Besinnung: "Der Adventskranz"
Ort: Münster St. Johannes
Veranstalter: Stadtkirche Neumarkt
Donnerstag, 03. Dezember
Tag der Anbetung
Ort: Pfarrkirche St. Willibald Möning
Veranstalter: Pfarrei Möning