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17.04.2025

Den Hoffnungsschimmer spüren - Gedanken zum Karfreitag

Foto: pixabay

Endlich Feierabend! Endlich ausspannen und tun, was ich möchte! Endlich die angenehmen Seiten des Lebens genießen! – Wir wissen nicht, ob dem Simon von Cyrene ähnliche Gedanken durch den Kopf gingen, als er von der Feldarbeit nach Jerusalem zurückkehrte und dabei nach biblischer Überlieferung auf den zum Tode verurteilten Jesus stieß. Wir lesen in den Evangelien nur, dass ihn die römischen Soldaten zwangen, für Jesus das Kreuz nach Golgota hinauf zu tragen.

Gedanklich vielleicht schon daheim bei der Familie wurde er unvermittelt mit den Qualen und Schmerzen einer Kreuzigung konfrontiert. Er konnte nicht einfach wegschauen oder sagen: „Ich bin müde, lasst mich doch bitte nach Hause gehen!“ Man zwang ihm viel mehr, dem Verurteilten beizustehen. Von der einen Sekunde auf die andere hatte er mit all dem Hass, der Erniedrigung, den Schmerzen, dem Unglück dieser Welt zu tun.

Manchmal geht es uns auch so, dass wir ganz unvermittelt in eine Krise geraten. Dass es sich so anfühlt, als würde man uns den Boden unter den Füßen wegziehen: Da trennt sich plötzlich der Partner oder die Partnerin, eine Beziehung geht in Brüche. Oder da verliert jemand von einem Tag auf den anderen seine Arbeitsstelle. Oder es hat sich einer mit Eltern oder Geschwistern zerstritten und findet keinen Weg zur Versöhnung. Oder eine medizinische Diagnose stellt mir eine lebensbedrohliche Situation plötzlich vor Augen. Oder eine Familie muss ihr zerstörtes Haus verlassen und aus der Heimat flüchten. Ungeplant, hastig, überstürzt – so werden wir manchmal in die Tiefe gerissen.

Am Karfreitag lassen wir Christen uns ganz bewusst mit dem Leiden und Sterben konfrontieren. Wir blenden es nicht einfach aus und gehen darüber nicht leichtfertig hinweg. Wir sagen: Es gehört wohl zum Leben dazu. Sogar Jesus traf es, und Gott geht ihm nicht einfach aus dem Weg.

Die Bibel schildert uns nicht genauer, ob die beiden Männer Worte miteinander wechselten. Aber Blicke werden sie wohl getauscht haben. Der eine gab vielleicht zu verstehen: Du tust mir leid! Und der andere: Danke! Auch wenn er dazu gezwungen war, nahm Simon das Elend und die Hilfsbedürftigkeit seines Gegenübers wahr. Auch wenn er in den Prozess gegen Jesus gar nicht involviert war, spürte er dennoch: Hier werde ich gebraucht! Da hob Simon sich ab von all den schaulustigen Gaffern und auch den ängstlichen Sympathisanten am Wegesrand.

Wer also den Tiefen des Lebens nicht aus dem Weg geht, sondern lernt, sie anzunehmen, wer Blicke des Mitgefühls und der Solidarität wagt und wer bereit ist, Hilfe zu geben und sich helfen zu lassen, der kann ein wenig von dem Hoffnungsschimmer spüren, der Auferstehung heißt.

Dekanatsreferent Christian Schrödl, Neumarkt/Habsberg

 

Die nächsten Termine

Samstag, 24. Januar
09.00 Uhr
Dekanatsforum der Dekanate Neumarkt und Habsberg
Ort: Kolpingshaus Johanneszentrum
Veranstalter: Bischöfliche Dekanate Neumarkt und Habsberg