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02.09.2017

Eispertshofen, Filialkirche Herz Jesu

Anhand der Geschichte der Glockenanlage der Filialkirche Herz Jesu in Eispertshofen (Pfarrei Litzlohe) lässt sich sehr schön zeigen, welch enge Verbindung zwischen Glocke und Liturgie zumindest bis ins frühe 20. Jahrhundert bestanden hat.

Eispertshofen, Filialkirche Herz Jesu. Bild: Thomas Winkelbauer

Auszug aus der Kirchen- und Glockengeschichte Eispertshofen
nach: Franz Xaver Buchner: Das Bistum Eichstätt, Eichstätt 1938, Band II, Seite 102 ff.

24. August 1789
Die Ortschaft Eispertshofen verpflichtet sich zum Bau und Unterhalt ihrer Kapelle.
30. September 1789
Das Ordinariat in Eichstätt bewilligt einen Kreuzweg; die (Benediction) Segnung der Kapelle und die Beschaffung einer Glocke wird nicht erlaubt.
26. Oktober 1789
Das Ordinariat in Eichstätt erteilt die Genehmigung zur Errichtung der Kapelle.
25. Januar 1790
Eispertshofen erhält die Erlaubnis eine Glocke zu beschaffen. Die Abhaltung von Eucharistiefeiern in der Kapelle bleibt untersagt.
14. Juli 1794
Eispertshofen erhält die Erlaubnis die Kapelle segnen zu lassen. Damit verbunden ist auch die Erlaubnis zur jährlich einmaligen Feier einer Hl. Messe „ad libitum parochi“ (nach Belieben des Pfarrers).
1797
Für das Herz-Jesu-Fest wird jeweils ein vollkommener Ablass gewährt.
25. Januar 1878
Eispertshofen wird von der Pfarrei Dietkirchen in die Pfarrei Litzlohe, und dort in die Expositur Trautmannshofen umgepfarrt.
6. Mai 1884
Die Regelung aus dem Jahr 1794 die Zelebration von Eucharistiefeiern in Eispertshofen betreffend wir bestätigt: Eine Messfeier darf nur am Patrozinium und am Bittag abgehalten werden. Auch die Segnung von Ehen wird weiterhin nicht erlaubt.
1901
Die Gemeinde baut eine neue Kapelle in Eispertshofen; sie übernimmt außerdem die entsprechende Baulast. Der Altar stammt von Kunstmaler Max Vogt aus München.
17. Juni 1902
In Eispertshofen wird durch eine Ordinariatsgenehmigung die Errichtung einer Kirchenstiftung nebst dazu gehörender Kirchenverwaltung bewilligt.
7. Dezember 1903
Kirchenstiftung und -verwaltung werden durch eine Ministerialentschließung bestätigt.

Matrikel des Bisthums Eichstätt nach dem Stande des Jahres 1875
Eichstätt 1882, Seite 258.
Für die Herz-Jesu-Kapelle Eispertshofen werden 2 „Glöcklein“ aufgezählt. Weitere Angaben fehlen.

Meldebögen 1940
Für Eispertshofen sind 2 Glocken mit einem Durchmesser von 990 mm und 230 mm verzeichnet.

  • Glocke 1) ist in Gruppe A (=kein besonderer wissenschaftlicher, geschichtlicher oder künstlerischer Wert) eingestuft.
  • Angaben zur Eingruppierung der Glocke 2) fehlen, es wird lediglich bemerkt, dass diese Glocke wegen des geringen Gewichtes nicht abgeliefert werden müsse.
  • Weitere Angaben fehlen.

Anmerkung:  Der für die Glocke 1) angegeben Durchmesser ist sicherlich falsch notiert worden.

Glocke Unterried

Für Unterried wird weder in der Matrikel von 1875 noch bei Franz Xaver Buchner, noch in den Meldebögen von 1940 eine Glocke erwähnt.
Die Glocke der heutigen Kappelle in Unterried wurde durch Thomas Winkelbauer, den Glockensachverständigen der Diözese Eichstätt, am 19. April 2010 untersucht und inventarisiert. Sie hat einen Durchmesser von 314 mm, ist ohne Krone 245 mm hoch, und wiegt vermutlich um die 15 kg. Auf der Schulter läuft ein Fries aus Blattornamenten. Auf der Flanke finden sich zwei Reliefs, ein Kruzifixus, und gegenüberliegend eine Darstellung des hl. Nepomuk. Außerdem sind über dem Wolm die Buchstaben I DV (eventuell: Johann Dival, Amberg), sowie die Jahreszahl 1789 zu sehen.

Zusammenfassung und Interpretation

Die Anfänge der Eispertshofener Glockengeschichte sind ein schönes Beispiel für die intensive Verbindung von Glocke und Liturgie: Erst mit der Festlegung der Kapelle als „Liturgischen Ort“ im Januar 1790 wird der Gebrauch einer Kirchenglocke zu einer quasi „Liturgischen Handlung“, und damit überhaupt erst möglich und erlaubt.

Der Zeitpunkt wann sich zu dieser ersten Glocke eine zweite gesellt hat, kann aufgrund der vorliegenden und ausgewerteten Quellen nicht näher bestimmt werden. Als verlässlich angesehen können immerhin die Angaben der Matrikel von 1875: demnach bestand das Geläute spätestens seit dieser Zeit aus zwei kleinen Glöcklein.

Es liegen außerdem keine Informationen darüber vor, ob evtl. auch schon während des 1. Weltkriegs eine Glocke abgegeben werden musste. Sollte dies allerdings der Fall gewesen sein, so hat man in Eispertshofen nach 1918 schnell wieder Ersatz beschafft, zumindest sind für 1938/1940 eindeutig zwei Bronzeglocken belegt.

Die größere dieser beiden Glocken musste mit ziemlicher Sicherheit 1942 abgeliefert werden, auch wenn sich die vorhandenen Unterlagen nicht zweifelsfrei darüber auslassen. Mit großer Wahrscheinlichkeit ist diese Glocke nach ihrer Ablieferung zerschlagen und eingeschmolzen worden.

Nach dem Ende des 2. Weltkrieges hat man wohl umgehend versucht die Lücke im Geläute wieder zu schließen. Da es in dieser Zeit sehr schwer gewesen ist Glockenbronze zu erhalten und zu finanzieren, entschloss man sich vermutlich dazu, Glocken aus Eisenhartguss zu beschaffen. Um die neuen Glocken, die wahrscheinlich einen größeren Durchmesser als deren Vorgängerinstrumente haben, im Turm montieren zu können, wurde der vorhandene Holzglockenstuhl umgebaut und verbreitert.

Im Zuge der Recherche zur Geschichte der Eispertshofener Glockenanlage wurde auch das Glöcklein der Kapelle im nahegelegenen Unterried inspiziert. Dieses Instrument stammt angeblich aus Eispertshofen. Vielleicht war nach 1945 in Eispertshofen der Wunsch nach "größeren" Glocken entstanden, vielleicht diente die Abgabe der Glocke nach Unterried aber auch der Finanzierung des neuen Geläutes? Die vorliegenden Akten geben derzeit leider keine Antwort auf diese Fragen. Einen Hinweis auf die mögliche Herkunft des Barockglöckleins liefert allerdings die auf dem Korpus desselben vorgefundene Jahreszahl 1789: Es könnte sich demnach tatsächlich um die erste Eispertshofener Glocke handeln, um deren Erlaubnis zur Beschaffung 1789/1790 ja wohl gerungen worden ist. Widersprüchlich bleiben dazu allerdings die Angaben zu den Durchmessern der damals erfassten Glocken in den Meldebögen des Jahres 1940.

Neue Glocken für die Filialkirche Eispertshofen

Im April 2010 wurde die Glockenanlage der Filialkirche Herz Jesu in Eispertshofen durch Thomas Winkelbauer, den Glockensachverständigen der Diözese Eichstätt inspiziert. Dieser stellte massive technische Mängel fest und empfahl der Kirchenverwaltung eine grundlegende Sanierung dieser Anlage. Winkelbauer bemängelte neben der ungenügenden Aussteifung des überarbeiteten Holzglockenstuhls dessen mangelhafte Befestigung auf den Auflagern, sowie unzureichend dimensionierte und schlecht verarbeitete Stahljoche. Da die beiden Eisenhartgussglocken außerdem über einen sehr matten und unbefriedigenden Klang verfügten, brachte er zusätzlich den Kauf von zwei neuen Bronzeglocken mit ins Spiel.

 

Sowohl die Kirchenverwaltung, als auch die Dorfgemeinschaft nahmen diese Idee begeistert auf, uns so konnten bereits ein knappes Jahr später bei der Passauer Glockengießerei Rudolf Perner die grundlegende Sanierung der Glockenanlage, sowie der Guß zweier neuer Glocken in Auftrag gegeben werden.

Um Kosten zu sparen übernahmen, angeleitet durch den Glockensachverständigen, mit Simone Lehmeier, Sandra Nibler, und Martina Ulm drei engagierte Ortsbewohnerinnen den Entwurf und die Anfertigung der Glockenzier.

 

Unter großer Anteilname von vielen Gläubigen aus der näheren und weiteren Umgebung konnten die beiden neuen Glocken am 5. Juni 2011 durch Pfarrer Andreas Jablonski CSsR geweiht werden. Wenig später ging dann die sanierte Glockenanlage wieder in Betrieb.

Angelusglocke

Schlagton: cis'''
Material: Bronze

Gießer: Rudolf Perner, Passau
Gußjahr: 2011

Durchmesser: 413 mm
Gewicht: 54 kg

Inschrift:
auf der Schulter:
+ MEINE SEELE PREIST DIE GRÖSSE DES HERRN +
auf dem Wolm:
+ UND MEIN GEIST JUBELT ÜBER GOTT / MEINEN RETTER +
auf der Rückseite der Flanke:
EISPERTSHOFEN
+ ANNO DOMINI MMXI +

Christusglocke

Schlagton: e''
Material: Bronze

Gießer: Rudolf Perner, Passau
Gußjahr: 2011

Durchmesser: 353 mm
Gewicht: 35 kg

Inschrift:
auf der Schulter:
+ ICH BIN DIE AUFERSTEHUNG UND DAS LEBEN +
auf dem Wolm:
+ WER AN MICH GLAUBT / WIRD LEBEN / AUCH WENN ER STIRBT +
auf der Rückseite der Flanke:
EISPERTSHOFEN
+ ANNO DOMINI MMXI +

Die nächsten Termine

29. Juli 2018 - 5. August 2018
29. September 2018
Studientag Jugendliturgie
Veranstalter: Bischöfliches Jugendamt Eichstätt und BDKJ Diözesanverband Eichstätt
22. Januar 2019 - 27. Januar 2019
23. Mai 2019 - 26. Mai 2019
bundesweite 72-Stunden-Aktion
Ort: Ganze Diözese
Veranstalter: BDKJ Diözesanverband Eichstätt